Kreation von drei neuen Wandgemälden für Dresden-Neustadt

Wandgemälde n° 1 :
„35. Mai“ von Richaâârd Deutchland

Wandgemälde n° 2 :
„Wood Stock“ von Tania Rein Kazakhstan

Wandgemälde n° 3 :
„Urban Impro“ von Jow Frankreich

1. Warum neue Wandbilder erschaffen ?

Weil es darum geht, das gemeinschaftliche Bekenntnis
„ NEIN ZU RASSISMUS, NEIN ZU INTOLERANZ GEGENÜBER JEDWEDER MINDERHEIT UND NEIN ZU FREMDENHASS“
zu manifestieren.
Denn Rassismus, Intoleranz und Fremdenhass haben in Sachsen alarmierende Ausmaße angenommen, und die jüngsten Ereignisse veranlassen uns traurigerweise, Einiges in Frage zu stellen. Das letzte rassistische Verbrechen von brutaler Gewalt fand im Juli 2009 in einem Dresdener Gerichtssaal statt, als eine schwangere junge Mutter mit 18 Messerstichen ermordet wurde.
Das rassistische Verbrechen ist das Schlimmste von allen; es ist aber auch ein Spiegelbild. Denn welche Gesellschaft, die sich als eine solche bezeichnen darf, kann ein derartiges Geschehen akzeptieren? Soll man die Hände in den Schoß legen, warten und nichts tun? Warten worauf? Auf das nächste Verbrechen, oder auf den Angriff einer organisierten Bande auf das Geschäft eines ausländischen Inhabers in Dresden-Neustadt?
In den letzten Jahren haben wir festgestellt, dass gewisse Personen sich nicht mehr verstecken wenn sie in aller Öffentlichkeit einen Ausländer beschimpfen; ein solches Verhalten könnte bald alltäglich werden.
Rassistisch motivierte Verbrechen und Gewalttaten haben in Deutschland
um 30% zugenommen. Der in Dresden lebende Ausländer bewegt sich nunmehr in einem für ihn höchst gefährlichen Gebiet.

Versagen der Gesellschaft oder… Schweigen ist Gold.

Der aufflammende Rassismus hat zur Folge, dass die größeren nichtdeutschen  Bevölkerungsgruppen in Dresden kulturell ausgegrenzt und an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Viele von ihnen erzählen, dass ihre Kinder auf dem Schulweg rassistisch angefeindet werden.
Und es ist selten, dass ein in Sachsen lebender Ausländer, der Opfer einer rassistischen Gewalttat/Beleidigung wurde, sich an die Polizei wendet!
Es ist tatsächlich ein Versagen der Gesellschaft.

Für ihre politische Plakatkampagne 2009 in Sachsen hätte die extreme Rechte eigentlich vor dem europäischen Gerichtshof verklagt werden müssen, wegen rassistischer Propaganda auf öffentlichem Grund eines Mitgliedstaates der EU. Tatsächlich ist das Plakat mit der Aufschrift „Kriminelle Ausländer raus“  insofern ausschließlich rassistische Hetze, als dem Leser zu verstehen gegeben wird, dass der kriminelle Deutsche nicht betroffen ist. Die extreme Rechte unterscheidet also nicht zwischen kriminell und nicht kriminell, sondern der Unterschied besteht in der Nationalität.
Auch jedes Kind versteht diese fremdenfeindliche Botschaft als „Ausländer raus!“

Jeder Mensch ist Ausländer - fast überall. Und das soll ein Verbrechen sein??

2. Werden diese zwei Wandbilder das Problem lösen?

Nein, keineswegs! Aber es ist ein erster Schritt getan, um individuelle und gemeinschaftliche Entschlossenheit zu manifestieren. Diese beiden Bilder weisen auf die kulturelle Identität von Dresden-Neustadt hin.
Die beiden Wandbilder „35. Mai“ und „Woodstock“ spiegeln die Farben von Dresden-Neustadt wieder!

3. Warum in Dresden-Neustadt?

Dresden-Neustadt ist weltoffen! Es ist wie der große Leuchtturm, der den Schiffen aller Nationalitäten und aller Minderheiten den Weg zum sicheren Hafen weist.
Es ist eine internationale Schnittstelle, wo sich Ausländer und Angehörige von Minderheiten jedweder couleur sich geborgen fühlen. Ihre Entstehung verdanken wir nicht nur der Geschichte des Viertels, sondern auch den gemeinnützigen Vereinen, die vor Ort hervorragende tiefgreifende kulturelle und soziale Arbeit leisten.

4. Warum ein Wandbild als Ausdrucksmittel wählen? - „Denn die Fassade gehört demjenigen, der sie betrachtet.“

Schon immer hat sich das Wandbild als künstlerisches Ausdrucksmittel mit der aussagekräftigsten Wirkung bewährt. Und bis heute unerreicht, trotzt ein Wandbild dem Zeitlauf.
Ein Wandbild drängt sich dem Anwohner nicht auf, sondern es erschließt sich dem Auge nach und nach, es wird mit der Zeit geschätzt werden; es ist fast unmöglich, eines von einem Künstler geschaffenen Bildes überdrüssig zu werden. Neu entstanden, passt es sich in die Umgebung ein; es bietet sich dem Betrachter unabhängig vom Alter dar, es kann auch von einem Kind bestaunt werden.
Es ist also schwierig, ein geeigneteres Kunstwerk zu finden, um der gemeinschaftlichen Haltung „Nein zu Rassismus, Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit“ Ausdruck zu verleihen.

5. Wo werden die beiden Wandbilder zu finden sein?

Das Bild „35. Mai“ entsteht auf der Fassade eines Parkhauses zwischen dem Restaurant Toscana und dem Café Cathy’s Garage auf der Louisenstraße. Das bereits vorhandene Wandbild wurde in den 90ern von Richaaard erschaffen.

Das Bild „Wood Stock“ entsteht an der Wand des Parkhauses an der Ecke Sebnitzer-/ Alaunstraße. Diese teilweise unbemalte Fassade ist wegen ihrer günstigen Lage ebenfalls bestens als Standort geeignet.

6. Werden diese Bilder als Mittel zur Propaganda benutzt?

Nein, denn es gibt keinerlei inhaltlichen oder gestalterischen Vorgaben an die Künstler. Grundidee ist das Thema TOLERANZ. Die Künstler sollen Bezug nehmen auf die Umgebung, und ansonsten ihrer Phantasie und Kreativität freien Lauf lassen; mit einfachen Mitteln gestaltet, werden diese beiden Wandbilder durch ihre Lebendigkeit ein junges Publikum ansprechen.
Einziges Charaktermerkmal: Am unteren Ende der Fassade soll eine Fläche von 3 Metern Höhe und über die gesamte Breite, Aktionskünstlern zur Verfügung stehen; der berühmte Satz von Rosa Luxemburg
„FREIHEIT IST IMMER DIE FREIHEIT DES ANDERSDENKENDEN“
wird dazwischen stehen und von den beiden bemalten Flächen eingerahmt werden.

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